Wenn Lahm und Co. für Deutschland siegen, freut das nicht nur Wirte, Fanshops und die Media-Märkte, sondern auch die Wirtschaft allgemein. Sollte man glauben. Doch rollt nach dem Jubel auch der Rubel? Gehen die Aktienkurse jetzt nach oben, weil Klose ins Tor und nicht daneben schießt?
Diesen Fragen ist eine amerikanisch-europäische Untersuchung unter Beteiligung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) nachgegangen, die im Journal of Finance veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Sieg oder Niederlage einer Nationalmannschaft haben einen direkten Einfluss auf die Aktienkurse. Verliert die Nationalmannschaft eines Landes, gibt der nationale Börsenkurs am nächsten Börsenhandelstag um durchschnittlich 0,38 Prozent nach – das können im Fall einer Volkswirtschaft wie Deutschland – Milliarden sein. Allerdings: Während sich Niederlagen in Aktienkursen spiegeln, bleiben Siege ohne direkten Einfluss auf die Kurse.
Tipp-Spiele und Sammelbildchen: Gut fürs Klima – schlecht für die Produktivität
Ist ein Sieg bei der WM also nicht mit Gewinnen in der Wirtschaft verbunden? Die Universität Hohenheim grätscht WM-Euphorikern in die Parade und liefert mit einer Studie allen Fußball-Gegnern in den Chefetagen eine Steilvorlage. Laut Studie geht WM-Begeisterung zu Lasten der Produktivität. 50 Prozent der Befragten gaben zu, während einer WM täglich 15 Minuten ihrer Arbeitszeit mit Fußball-Gesprächen, Tipp-Spielen oder dem Tauschen und Einkleben von Sammelbildern zu verbringen. Dies minderte bei der Fußball-WM 2006, so die Hohenheimer Studie, das deutsche Brutto-Inlandsprodukt um 0,4 Prozent.
Eine Bank aus dem Land des möglichen deutschen Finalgegners Holland kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. ABN AMRO stellt in der Studie „Soccernomics 2006“ fest, dass der Gewinn des WM-Titels das Wirtschaftswachstum des Gewinnerlandes stark beschleunigte. So betrug der durchschnittliche Zuwachs 0,7 Prozent. Aber auch die Weltwirtschaft könnte von einer Fußball-WM profitieren, so die holländische ABN AMRO, insbesondere wenn das Finale von europäischen Mannschaften bestritten wird. Gäbe es aus deutscher Sicht einen schöneren Kick für die Weltwirtschaft als ein Finale, in dem Holland Deutschland knapp unterliegt?
Fast wie beim Elfmeterschießen
Bernd Rauch, Experte für Finanzkommunikation und Senior Advisor bei Publicis Consultants: „Die Wirtschaft lebt von Fakten und von Psychologie. Der Gewinn einer Weltmeisterschaft kann die gesellschaftliche Grundstimmung erheblich aufhellen und damit letztlich auch für positive, wirtschaftliche Impulse sorgen. Dauerhafte Effekte sind aber sehr schwer nachzuweisen und damit letztlich so schwierig vorherzusagen wie der Gewinner eines Elfmeterschießens.“
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